Konservierung/Restaurierung

Die Einbände wurden mit grün bemalten Antiphonar-Fragmenten aus Pergament bezogen. Bei der Bindetechnik handelt es sich um ein secondary tacketing. Bei diesem Einband zeigen sich starke Beschädigungen im Scharnierbereich, für deren Restaurierung Vorschläge ausgearbeitet wurden. (ES 70.1, Vorderdeckel und Rücken, Detailaufnahme. Fotografie und © Lea Dauwalder)

Zur Erhaltung historischer Herbarien ist bisher wenig geforscht und publiziert worden. Für das Konservierungs- und Restaurierungskonzept zum Platter-Herbarium mussten deshalb im In- und Ausland und über verschiedene Disziplinen hinweg mündliche und schriftliche Expertenberichte eingeholt werden. Auch eine kodikologische Erfassung (genaue Beschreibung und kulturhistorische Einordnung) der Herbarbände war notwendig, damit bei Restaurierungsmassnahmen nicht etwa wichtige Merkmale aus Unwissenheit unkenntlich gemacht werden. Denn nicht nur die in einem Herbarium enthaltenen Pflanzen liefern historische Informationen, sondern auch die äussere Erscheinung: Einbände, Reparaturen, Schnittverzierungen und weitere Details erlauben Rückschlüsse auf den historischen Kontext der Entstehung, die Arbeitsweise des Urhebers und die Geschichte der Herbarien.

Bei der Untersuchung des Herbariums wurden verschiedene Ursachen für Beschädigungen erfasst. So ist die originale Bindetechnik der Herbarien zwar vorteilhaft für den Inhalt der Bände: Die Seiten können gut aufgeschlagen werden. Jedoch wurde beim Binden nicht ausreichend auf die Stabilität im Scharnier der Einbände geachtet, was dort zu Rissen führte (vgl. Abbildung oben). Die Pflanzen selbst wurden teilweise bereits durch die Einklebetechnik beschädigt: Das Aufbringen von feuchtem Klebstoff führte teilweise zu einer Dehnung der Pflanzenblätter. Beim Abtrocknen schrumpften die fixierten Blätter wieder und es entstanden Schwundrisse (vgl. Abbildung unten). Für jede Schadensart werden im Erhaltungskonzept mögliche Restaurierungsmassnahmen vorgeschlagen. Die geplante Restaurierung des Herbariums soll möglichst zurückhaltend erfolgen und seinen Zustand zwar stabilisieren, aber möglichst nicht in die Originalsubstanz eingreifen.

Abgeklärt wurde auch, ob das Herbarium durch Biozide, also chemische Mittel zur Schädlingsbekämpfung belastet ist. In botanischen Sammlungen wurden Biozide über lange Zeit teilweise sehr intensiv zum Schutz vor Frassschäden eingesetzt. Oft wurden Mittel verwendet, die in den behandelten Objekten verbleiben. Biozide können auch für Menschen gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, die Umwelt und auch die Objekte selbst schädigen. Im Platter-Herbarium wurden mit den bisher angewandten Analysemethoden keine solchen Stoffe festgestellt.

Auch die präventive Konservierung, wie beispielsweise das Schädlingsmanagement, ist Teil des Erhaltungskonzepts. So soll bereits das Eindringen von Schädlingsinsekten verhindert werden, damit keine weiteren Frassschäden entstehen können. Dafür werden die Lagerräume sauber gehalten und die Umgebung der Herbarien ständig auf allfällige Schädlinge überprüft. Ausserdem lagern die Herbarbände unter geeigneten klimatischen Bedingungen in massgefertigten archivtauglichen Schachteln.

Die physische Benutzung der Herbarien ist aufgrund ihrer Fragilität nicht möglich. Dank ihrer kompletten Digitalisierung können sie aber jetzt auf dieser Website konsultiert werden.

 

Durch die Dokumentation der kodikologischen Eigenheiten, wie beispielsweise der Lagenkonstruktion, konnten die Herstellungsschritte der Herbarbände nachvollzogen werden. (ES 70.6, drei exemplarische Lagenkonstruktionen. Grafik und © Lea Dauwalder)

Schwundrisse in den Pflanzenblättern sowie die mechanische Belastung durch das Blättern der Herbarseiten haben hier zur Ablösung von Blatteilen geführt. Im Erhaltungskonzept werden verschiedene Methoden zur Festigung vorgeschlagen. (ES 70.3, S. 15, Senf (Sinapis arvensis), Detail)